Argumente

Es wurden die Messbuchtexte und das Gotteslob von der Liturgiekommission der Deutschen Bischofskonforenz für Neuauflagen im deutschsprachigen Bereich überarbeitet.

Dieses wäre die ideale Gelegenheit gewesen, auch im deutschen „Vater Unser“ eine zwar tradierte, aber ausgesprochen sinn-entstellende und missverständliche Formulierung dem geistigen Inhalt des Gebetes anzugleichen.

In anderen Teilen der Welt ist schon immer richtig gebetet worden oder - wie zum Beispiel in Italien - der Text korrigiert worden. Im Unterpunkt "Formulierung 6.te Bitte international" haben wir einen Überblick über die weltweite Situation zusammengetragen.

Zum „Vater Unser“

Das Hauptgebet unseres christlichen Glaubens und der katholischen Kirche hat in seiner althergebrachten und seit Jahrhunderten tradierten Formulierung in einigen Sprachräumen eine sehr problematische Formulierung:

Und führe uns nicht in Versuchung. Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Diese Formulierung wird schon in  der lateinischen Vulgata  tradiert. Die alten griechischen Urfassungen ergeben  in der deutschen Übersetzung : „Und lasse uns nicht dem Gericht verfallen, sondern erlöse uns vom Bösen.“

Der Ursprung der lateinischen Fehlformulierung liegt wohl im mehr jüdisch orientierten Judenchristentum und im Übergang der heidnischen Religionen mit ihren Priestern in das Christentum. Im Alten Bund und in den heidnischen Religionen waren Gott  oder die Götter strafend und rächend. Die Priester gaben vor, als Legitimation für ihren Stand,  hier eine vermittelnde Funktion zur Zornesbesänftigung der Götter zu erfüllen.  Zum Schutz der Kultusanhänger  hielten sie ihren  Opfer- und Gottesdienst. 
Im Christentum sind diese Eigenschaften heidnischer Gottheiten durch die barmherzige Erlösung durch Jesus Christus ersetzt.

Die Formulierung des lateinischen Urtextes ist nicht, was Jesus Christus gesagt und gemeint hat. Der Herr hat uns in diesem Gebet gegeben, wie wir zu unserem himmlischen  Vater beten sollen. Gott-Vater ist das Positive und Gute an sich und  nicht das Negative.  Versuchung oder Negatives kann nicht vom Göttlichen kommen.
Gott läßt ja die Versuchungen nur zu, damit wir unsere Persönlichkeit klären und festigen können und Erkenntnis erlangen.  ER muss uns wegen unserer Schwäche und geschöpflichen Zerbrechlichkeit in den Versuchungen helfen und uns hindurchführen und uns nicht mit dem Negativen oder Bösen allein lassen, sonst verfallen wir dem Satan. Im Spiel der Kräfte kann der Mensch dann auch von Gott abfallen, im Bösen verharren und das Böse leben und tun.

In den Textteilen des zur Zeit aktuellen Gotteslobes mit Gebeten und Andachten (zusammen ungefähr 350 Seiten) wird dieser Satz des  „Vaterunsers“ nur an 2 Stellen erwähnt. Zum einen als unkommentierter Text und zum anderen unter

 „Andacht über  das Gebet des Herrn“  :

„Sechste Bitte: Führe uns nicht in Versuchung.
... Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet.
Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, so dass ihr sie bestehen könnt...“

„Siebte Bitte: Erlöse uns von dem Bösen.
.....Jeder, der Sünde tut, ist Sklave der Sünde. ....“
Auch sonst wird der Herr in den  Gebetsteilen des Gotteslobes nie als der Versucher, so wie die tradierten  Worte des Gebetes es ausdrücken, dargestellt.

Mögliche Formulierungen wären:

 

Und führe uns durch die Versuchung. Und erlöse uns von dem Bösen.

Oder um besser auszudrücken, daß Gott die Versuchungen zuläßt um uns im Lebenskampf zu prüfen und unsere Selbstständigkeit zu fördern:

 

Bitte führe uns durch alle Versuchungen. Erlöse uns von allen Übeln und von allem Bösen.

Oder:

 

Laß uns nicht in der Versuchung erliegen, sondern erlöse uns vom Bösen.

 

und

 

Und laß es nicht zu , daß ich von DIR abfalle, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Mit solchen Formulierungen könnten die Gläubigen alleine und in der Gemeinde im tiefen Vertrauen auf Gott zugehen. Viele Christen beten es schon in dieser Form, weil sie es vor ihrem Gewissen nicht verantworten können, den Herrn durch eine falsche Wortwahl zu beleidigen. 

Im Gotteslob auf S. 137 steht:     „GEMEINSCHAFT IM WORT:
Jesus fordert  „Liebe in Wahrheit“.  Liebe ohne Wahrheit ist keine Liebe, und Gutsein heißt nicht: gutmütig die Lüge und den Irrtum dulden. Weil Jesus Christus „die Wahrheit“ ist, wird vom Christen der Mut verlangt, wahr und wahrhaftig zu sein. Paulus betont, daß dieser Mut schon deshalb von uns gefordert wird, weil bei Gott selbst nicht „Ja und Nein“ vermischt werden.
Eine wichtige Brücke zum Mitmenschen ist das Wort. In meinem Sprechen wird offenbar, wie es um mein Gutsein bestellt ist. Das Wort baut Gemeinschaft auf oder zerstört sie. Es hilft oder schadet den anderen.“

Auf Seite 122 findet man unter „Gewissensspiegel:  .... Bitte ich vertrauensvoll um seine Gaben? Oder bete ich gedankenlos, nur selten,  gar nicht?“

Seite 139
„GEMEINSCHAFT DER KIRCHE
Wir alle sind Kirche.  .... Nach dem Zeugnis der Apostel bedeutet mit der Kirche leben: Gott anbeten im Geist und in der Wahrheit, Einstimmen in Lob und Dank für das Heilswerk Gottes in Jesus Christus, Gottes Gutsein mit der Welt durch das eigene Gutsein in der Welt darstellen. .....“


Das Beten des „Vater Unser“ ist so, wie es oft vollkommen gedankenlos in den Teilen der Welt mit der Fehlübersetzung gebetet wird, eine Beleidigung des Herrn. Durch die, zwar unbewußte, verbale Gleichsetzung  Gottes mit dem Versucher  sprechen wir oft mehrmals täglich, wenn auch ungewollt, eine  Beleidigung Gottes aus. Das Böse, Negative ist nicht das Positive. Durch die Gleichsetzung von Gott und Versucher haben wir die perfekte Verwirrung.

Gotteslob Seite 56:        „BETEN MIT DEM JÜNGEREN KIND
.....Auch feste Gebetsformen und Reimgebete können eine Hilfe sein, wenn sie nicht gedankenlos heruntergesagt werden.“

Stellen aus der Schrift sind:    Jesus Sirach 15  , 11-14, 20
Die Freiheit des Menschen
Sag nicht: Meine Sünde kommt von Gott. DENN WAS ER HASST, DAS TUT ER NICHT. . Sag nicht, er hat mich zu Fall gebracht. Denn er hat keine Freude an schlechten Menschen. Verabscheuungswürdiges hasst der Herr; alle , die ihn fürchten, bewahrt er davor. Er hat am Anfang den Menschen erschaffen und ihn der Macht der eigenen Entscheidung überlassen.    .....    Keinem gebietet er zu sündigen und die Betrüger unterstützt er nicht“

Matthäus 4  , 1 - 11        Die Versuchung in der Wüste
Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt  werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, daß aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es:    Der Mensch lebt nicht vom Brot allein sondern von jedem Wort ,das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich herab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf seinen Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.

Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm die Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mit niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab, und es kamen Engel und dienten ihm.

Hier steht ganz klar in der Schrift das der Satan versucht, nicht der VATER.

Jakobus 1, 13-18
Keiner sage, wenn er versucht wird: „Gott versucht mich!“ Wie Gott erhaben ist über die Versuchung des Bösen, so versucht er auch niemand. Jeder, der versucht wird, lässt sich von der eigenen Begierde verlocken und verführen, und hat die Begierde empfangen, so gebiert sie die Sünde, und ist die Sünde ausgereift, so gebiert sie den (ewigen) Tod. Lasst euch nicht täuschen, meine lieben Brüder!

Gottes zuvorkommende Gabe will ganze Hingabe
Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben, vom Vater der Lichtwelt, bei dem es keinen Wandel, noch Schatten von Veränderungen gibt. Aus seinem Willen hat er uns durch das wahre WORT das Leben gegeben, damit wir eine Art Erstlingsfrucht im Bereich seiner Geschöpfe seien.“


In der Mystik und in der Schrift betont der Heiland, daß er alle diejenigen Menschen zur Verantwortung ziehen wird, die um die Wahrheit wissen, aber ihr nicht zum Sieg verhelfen. Diesen Menschen wird er auch die negativen Folgen ihrer Unterlassungen für ihre Brüder anrechnen und die Beleidigung seiner Gottheit.
Es ist nicht zu verantworten, daß wir Gott beleidigen, indem wir IHN aufgrund der Überlieferung wörtlich als „Versucher“ bezeichnen, auch wenn die Problematik den meisten Menschen nicht bewußt wird.
Die Kirche hat in ihren Sinn- Erklärungen und Kommentaren zum Vaterunser immer betont, daß es um göttliche Führung in der Versuchung und um Führung durch die Versuchung hindurch geht. Jetzt hätte diese Korrektur auch wörtlich im Text durchgeführt werden können.

Auch aus den angeführten Schriftstellen geht klar und deutlich hervor, daß die zur Zeit gebräuchliche Formulierung „Und führe uns nicht in Versuchung“ falsch ist.

Welche positiven Veränderungen könnten von diesem zugegebenermaßen schwierigen Schritt ausgehen?

1.) Es findet keine vielfache und ständige Beleidigung Gottes mehr durch die Verbalinjurie „Versucher“ statt.

2.) Das Vaterunser stimmt dann auch dem Wortlaut nach mit den Weisungen und Lehren der Kirche überein. Die Beter sagen das, was gemeint ist. Wort und Inhalt und damit die geistige Ausrichtung sind kongruent.

3.) Sollte dieser Schritt von der weltweit größten christlichen Kirche, der katholischen Kirche, ausgehen, könnte sie den anderen Konfessionen mit gutem Beispiel vorangehen.

4.) Die Kirche würde für Monate wieder im Gespräch sein und auf breiter Basis Glaubenswahrheiten verkünden können, da es eine große und notwendige Diskussion mit allen anderen Konfessionen auslösen würde.

5.) Angeregt durch die Diskussionen würden die Menschen über eines der Hauptstücke des christlichen Glaubens nachdenken und vielleicht zum Glauben finden.

6.) Formen und Inhalte von Bitten und Beten könnten auf breiter Basis diskutiert werden. Der Herr hat uns das Vaterunser gegeben, damit wir den Weg zu Ihm finden. Aber damit er uns geben kann, worum wir bitten, muß die Bitte von uns aus klar und verständlich formuliert sein, damit unserer freie Wille keine Nötigung und Beeinträchtigung erleidet.

 

7.) Bei der, in der neuen Formulierung sehr klaren, Unterscheidung von Gott und Versucher findet keine durch Unklarheit und Angst ausgelöste psychologische Fixierung auf das Böse mehr statt. Die Unklarheit über Versuchung durch Gott oder nicht wird durch das „sondern“ der alten Formulierung noch verstärkt und betont. In der neuen Formulierung bitten die Gläubigen den Herrn um Führung und um Hilfe gegen das Böse. Zugleich werden die Worte wieder ein deutlicher Exorzismus. Jeder heidnische und vorchristliche Einfluss und Beigeschmack wird aus dem Gebet entfernt.

8.) Die Unterscheidung der Geister wird klarer und einfacher möglich und wieder betonter wahrgenommen.

9.) In der Not kann sich auch der theologisch nicht gebildete, einfache Gläubige wieder leichter und vertrauensvoller Hilfe von Gott erbitten, da er nicht mehr durch unverständliche Worte verwirrt werden kann.
Menschen in Not, die konfessionslos sind, gehen oft in eine Kirche auf der Suche nach Hilfe. Dort lesen sie dann in den ausliegenden Büchern. Diesen Menschen würde eine aus sich heraus zu verstehende Formulierung sehr helfen.

10.) Dem Heiland gefällt es sehr gut, wenn sein Vater den Gottes-Kindern nicht mehr als ein „Barstes Unding“ in der Vermischung von Gut und Böse dargestellt wird.

11.) Glaubensneulinge werden nicht mehr durch ein mißverständliches Gebet vom Glauben abgestoßen.

12.) Es ist eine klare Ausrichtung der Gemeinden für die näher kommenden, schwierigen Zeiten und die kommenden Jahrtausende mit der ausdrücklichen Bitte um Führung durch Gott.

Es ist sehr wichtig für das betende und gläubige Volk, das eine zeitgemäße Gebetsformulierung unseres christlichen Hauptgebetes mit der Vernunft und dem gesunden Menschenverstand übereinstimmt.
Die zu betenden Worte sollten nicht verbal sogar im Gegensatz zum Hauptgebot der Gottesliebe stehen. Sie behindern so auch einen zweifelsfreien und wirkmächtigen Glauben.

Wie sollen Eltern den Glauben mit dieser falschen Formulierung des Hauptgebetes an ihre durch die Medien erzogenen Kinder weitergeben? Glauben ist immer eine Sache der Transzendenz und nicht beweisbar. Es wird von den Kindern heutzutage alles genauestens hinterfragt und Unlogik kann nicht mehr bestehen und wird verworfen. Wie soll jetzt schlüssig erklärt werden, das zwar die auf die Realität bezogenen und fassbaren Texte nicht alle stimmen, aber das Transzendente, nicht fassbare des Glaubens, garantiert der Wahrheit entspricht?
Außerdem können kleine Kinder Verneinungen nicht verstehen, da sie bildhaft denken. Eine Verneinung wirkt bei Ihnen wie das Durchstreichen eines Bildes. Das Unterbewusstsein nimmt jedoch das Bild und damit das Negative auf.

Matthäus 21 , 21-22
„Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr Glauben habt und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht bloß derartiges wie an dem Feigenbaum tun, sondern sogar wenn ihr zu diesem Berge sagt: „Hebe dich hinfort und stürze ins Meer!“ - wird es geschehen. Alles , was ihr im Gebet erfleht, werdet ihr, wenn ihr glaubt, empfangen.“


Als Ergänzung der möglichen positiven Auswirkungen der Änderung könnten auch Hypothesen über die negativen Folgen des Belassen der falschen Formulierung aufgestellt werden.

Deshalb muss dringend die Korrektur dieses sinnenstellenden Sprachfehlers in stattfinden. Unsere Überlegungen sollen ein Anstoß für die weltweite Richtigstellung des "Vater Unser" in den Ländern, wo dieser Fehler noch auftritt, sein. Das "Vater Unser" ist die am häufigsten gebetete und größte inhaltliche und formale Gemeinsamkeit aller christlichen Glaubensgemeinschaften.

Wenn Gott selbst der Versucher ist, wie wir im Vaterunser beten, wer hilft uns dann aus der Versuchung? Gott ist doch das Reine ohne Sünde und Makel, wie kann er uns Christen in Versuchung führen?

Bitte geben Sie unsere Internetadresse www.vaterunser-aenderung.de an Freunde und an am Glauben interessierte Menschen weiter.